Der Polyp

Seit mehr als fünfzig Jahren ist er auf den Kirmesplätzen in Deutschland zu finden: der Polyp.

Seinen Ursprung findet dieser Geschäftstyp in der Spinne, die schon 1936 vom amerikanischen Hersteller Lee Ulrich Eyerly erfunden und patentiert wurde.

Das Prinzip war einfach und genial: Die Ausleger waren mit einem Exzenter verbunden und durch die Zugstangen beweglich. Die Rotation des Exzenters war unabhängig von der Hauptdrehung, dadurch bewegten sich die Ausleger. Das Problem des Karussells war der Fahrgastwechsel, da die Ausleger nicht abgesenkt werden konnten. Die deutsche Firma Klaus aus Memmingen hatte 1966 die Idee, um dieses Problem zu lösen. Die Zugstangen konnten dank einer Hydraulik verlängert und so bis auf den Boden abgesenkt werden. Und schon war der erste Polyp geschaffen worden. Der Prototyp hatte allerdings noch ein kleines Manko: der Exzenter musste nach der Fahrt immer an der gleichen Position halten.

Der Berliner Schausteller Beuermann reiste mit dem ersten Polypen in Deutschland. Die Blechgondeln lieferten die Vorlage für die klassischen Gondeln im „Fischdesign“. Diese charakteristischen Sitzmöglichkeiten wurden zum Standard beim Polyp und wurden zuerst am Polyp von Löffelhardt angebaut.

Klaus baute insgesamt sechs Anlagen, von denen drei nach Amerika gingen. Löffelhardt hatte gleich zwei, von denen einer im Phantasialand seinen Platz fand. 1984 wurde er dann nach Belgien verkauft, zwei Jahre später lautete sein Ziel Frankreich. Der andere Polyp blieb auf der Reise und wechselte mehrfach den Besitzer, bevor er 2002 Deutschland verlies und nach Tschechien ging.

Aber nicht nur die Firma Klaus beschäftigte sich mit dem Konzept. Auch bei Anton Schwarzkopf. Dieses Geschäft mit dem Namen Monster wurde Ende 1967 angekündigt und kam ohne Hydraulik aus, da jeder Arm einen eigenen Exzenterantrieb hatte. Der Name war passend gewählt, denn das Monster war zunächst nicht für die Reise geeignet. Dafür war es als Parkversion prädestiniert.

Später wurde der Polyp auch in den Niederlanden gebaut. Die Anlagen von Bakker sind wie auch die nächsten Generationen des „Monster“ bis heute auf den Volksfesten in Deutschland vertreten.

(HM) 

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