Calypso

Ende der fünfziger Jahre entwickelte die Firma Mack aus Waldkirch einen Karusselltyp, dessen Erfolg nicht lange auf sich warten lassen sollte: den Calypso. Neu war die Fahrweise nicht, der „Scrambler“ aus den USA hatte denselben Bewegungsablauf. Allerdings war dies eine flache Anlage mit einer einfachten Verarbeitung und ohne Podium.

1958 lieferte Mack den ersten Calyso an Bausch & Distel aus München. Eine Vereinbarung sicherte die Exklusivität: es durften über einen Zeitraum von zwei Jahren keine gleichen Anlagen an andere Schausteller verkauft werden. Die Premiere des Calypso war ein voller Erfolg, und das entging auch den anderen Schaustellern nicht. Bestellen konnten sie keinen – also umgingen sie die Klausel, indem sie einfach selbst ein Karussell entwarfen. Bereits ein Jahr später tauchte die erste „Kopie“ eines niederländischen Schaustellers auf. Bei diesem wurden die Gondeln nicht am Drehkreuz befestigt, sondern auf drei Scheiben gesetzt. Außerdem wurden einige Gondeln auf einem drehbaren Schwengel montiert und vermittelten so ein anderes Fahrgefühl.

Weitere Eigenkreationen folgten bald. Mal wurde eine Walzerfahrt umgebaut, ein anderer baute eine Ovalbahn um und machte daraus mit einem Durchmesser von nur 16 Metern den kleinsten Calypso in Deutschland. Hier saßen die Fahrgäste übrigens nicht neben-, sondern hintereinander.

Von Macks Original gab es während der Exklusivitätsklausel nur drei, von denen zwei Anlagen ins Ausland verkauft wurden. Nachdem die Sperrfrist für den MackCalypso endete, kamen mehr Anlagen auf die Kirmesplätze. Schnell drehten bis zu zwölf Mack – Calypso ihre Runden auf den deutschen Volksfesten – und doch konnten die Besucher davon nicht genug bekommen. Bis in die siebziger Jahre wurde dieser Geschäftstyp gebaut. In dieser Zeit entstand in der niederländischen Firma Bakker auch der größte reisende Calypso mit mehr als zwanzig Gondeln und fünf Kreuzen, der unter dem Namen „Moulin Rouge“ bekannt war und der Firma Mocken gehörte.

Auch wenn die Anlagen in ganz Deutschland beliebt waren, die Hochburg war und blieb München. Zeitweise waren drei Mack – Calypsos auf dem Oktoberfest vertreten. Und das ist auch heute noch so – wenn auch auf der Oide Wiesn. Hier dreht der Mack Calypso der Familie Winheim seine Runden. (HM)

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