Kirmes in den fünfziger Jahren

Die Volksfeste von heute kennt wohl jeder. Die Karussells sind teilweise alte Bekannte, die Erwachsene schon in ihrer Kindheit gefahren sind oder damals noch fürchteten. Neue Geschäfte sind höher, rasanter, spektakulärer. Und manchmal steht ein Urgestein zwischen all diesen Riesen, auf dem schon die heutigen Rentner als Jungspunde ihre Runden drehten.

Die Fünfziger waren immer noch geprägt vom Kriegsgeschehen in Europa. Aber die Menschen feierten wieder, und auch auf den Volksfesten drehten sich wieder die Karussells. Wenn man diese etwas näher betrachtet, fällt auf, dass so manche Idee der Attraktionen von damals in vielen Geschäften von heute steckt. Manchmal allerdings gibt es sie noch. Wie zum Beispiel die Krinoline. Dieses Geschäft war bereits in den fünfziger Jahren ein Klassiker, denn bereits um 1900 tauchte dieser Geschäftstyp auf den Kirmessen auf. Auch Wellenflieger sind immer noch vertreten. Der Bremer Schausteller Fritz Hanstein ließ sich in den vierziger Jahren den ersten transportablen Wellenflieger patentieren. Mit der Zeit änderten sich auch die Vorlieben. So durften die Gäste auch schon mal in Raketen oder Kutschen Platz nehmen, die man heute üblicherweise nicht mehr sieht. Aber der Wellenflieger dreht auch heute noch seine Runden.

Auch ein Round-up ließ damals schon die Fahrgäste die Fliehkraft erleben. Dieser Geschäftstyp wurde aus Amerika importiert. Nachgebaut wurde er ab 1958 in Lizenz von der Karussellbaufirma Klaus. Basierend auf solch ein Geschäft ließ sich Rilke, ein deutscher Schausteller, ein ähnliches Prinzip patentieren. Während die Bewegungen wie beim Round-up waren, gab es in der „Fliegenden Untertasse“ neben Stehplätzen auch Sitzbänke, der Hebearm erreichte statt 75° lediglich 60°.

Autoscooter gab es in den fünfziger Jahren natürlich auch. Und es gab auch eine Mischung aus Autoscooter und Rundfahrgeschäft: den Luftscooter. Die Eckdaten: ca. 20 m Durchmesser und zwölf Ausleger, an denen man Chaisen angebracht hatte, deren Fahrgestell durch einen Boden ersetzt waren. Diese waren über ein Stahlseil mit dem Mittelbau verbunden. Hob sich der Ausleger, kippte die Chaise nach außen – zumindest soweit, wie es das Stahlseil zuließ. So bließ die Sitzposition immer gerade. Was man heute eher als Kinderfahrgeschäft bezeichnen würde, versetzte die Besucher damals in Erstaunen. Dieses Geschäft drehte seine Runden bei mehreren Besitzern, bevor es in den sechziger Jahren sein Ende auf dem Schrottplatz fand.

Der „Teufelswirbel“ ließ seine Fahrgäste kuscheln – ob sie nun wollten oder nicht. Auf einer großen Drehscheibe waren sternförmig zehn Schienenstränge angebracht. Darauf befanden sich die Gondeln, die auf der Innenseite durch Zug- und Druckstangen miteinander verbunden waren. Die Stangen waren an einem Exzenter befestigt, den man jederzeit beliebig zuschalten konnte, wenn sich die Scheibe drehte. Bei entgegengesetzter Drehrichtung zur Scheibe wurden die Gondeln auf den Schienen hin- und hergeschoben. Dadurch änderte sich der Radius ständig. Zügige Beschleunigungen und abrupte Bremsmanöver waren so möglich und machten den „Teufelswirbel“ zu einem besonderen Vergnügen.

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